Was sind Studienprojekte?

Was sind KI²VA-Studienprojekte?

Nicht nur die großen Zukunftsthemen Klima, Energie, Bevölkerung, Ernährung, Wasser, Gesundheit oder Sicherheit sind so komplex, dass sie nur im Zusammenspiel vieler Fachdisziplinen bearbeitet werden können. Jede Innovation erfordert die Bereitschaft und Fähigkeit zu fachübergreifender Team- und Projektarbeit. Interdisziplinäre Projekte in der Studieneingangsphase schaffen eine Lernsituation, in der sich Studierende bereits vom ersten Semester an in ihrer Fachrolle beweisen und gleichzeitig Offenheit und Kompetenzen für die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen erwerben können. Die Studienprojekte tragen so gleichermaßen zur fachlichen Profilbildung wie auch Persönlichkeitsbildung der Studierenden bei. Seit 2012 wird ihre Einführung in allen Fachbereichen im Rahmen des KI²VA-Projekts (Kompetenzentwicklung durch interdisziplinäre Vernetzung von Anfang an) im Qualitätspakt Lehre durch Bund und Länder gefördert.

Konzept

In den Interdisziplinären Studienprojekten bearbeiten Studierende der Ingenieur-, Natur-, Human-, Sozial- und Geisteswissenschaften eine herausfordernde, lösungsoffene und gesellschaftlich relevante Aufgabenstellung, die sie nur arbeitsteilig mit unterschiedlichen Fachkompetenzen und konstruktiver Teamarbeit lösen können. Die Studierenden lernen elementare Projektstrukturen kennen, erwerben soziale und personale Schlüsselkompetenzen und erhalten Einblick in grundlegende Fachinhalte und typische Methoden der eigenen Disziplin.

Interdisziplinäres Problemlösen ist anspruchsvoll. Die Studierenden werden deshalb durch Fach- und Teamtutor_innen unterstützt. Fachtutor_innen sind wissenschaftliche Mitarbeiter_innen aus den Fachbereichen und geben den Studierende fachspezifische Rückmeldung nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Teamtutor_innen sind Studierende, die intensiv durch die Hochschuldidaktische Arbeitsstelle für diese Aufgabe qualifiziert wurden. Sie aktivieren die Teams zu effektivem Diskutieren, Moderieren, Visualisieren, Problemlösen und einem konstruktiven Umgang mit Konflikten. Am Helpdesk und in den Experteninterviews mit Professoren_innen können die Studierenden vertiefte fachliche Informationen recherchieren und Lösungen diskutieren.

Forschungsorientiertes Lehren und Lernen, Interdisziplinarität und Internationalität

Mit den interdisziplinären Studienprojekten fördert die TU Darmstadt vom Studienstart an forschungsorientiertes Lehren und Lernen, die Entwicklung einer eigenen Fachidentität bei den Studierenden und die Fähigkeit, mit vielfältigen Fächern, Kulturen und Teams zu kooperieren.

Die unvollständig definierte und innovative Problemstellung, die Einführung in Forschungs- und Entwicklungsmethoden sowie deren Simulation und Reflexion an einem Fallbeispiel, die eigenständige Recherche und Erarbeitung von Informationen, die projektförmige Planung des Probelmlösungsprozesses und die Präsentation der Ergebnisse vor einer Jury charakterisieren die Studienprojekte als forschungsorientiertes Lehren und Lernen.

Die interdisziplinäre Aufgabenstellung ist so komponiert, dass der Beitrag aller beteiligten Disziplinen für eine Lösung und die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg notwendig ist. So konnte ein lichtgesteuerter Evakuierungsassistent zur Verhinderung von Massenpaniken in etit/KIVA 2011 nur interdisziplinär konzipiert werden. Das Wissen der Psychologie über die Wahrnehmung und das Verhalten von Menschen in Paniksituationen und das Wissen der Elektro- und Informationstechnik über die technische Umsetzung waren hier gleichberechtigte Erfolgsfaktoren. Gleiches gilt für das Konzept eines innovativen Lapraskopieturms, für das in emb/KIVA 2016 Erstsemester aus dem Maschinenbau mit Medizinstudierenden der Universität Mainz zusammenarbeiteten. Durch die systemische Aufgabenstellung erkennen die Studierenden bereits in den ersten Semestern, wo die Stärken und Grenzen ihres Faches liegen und wo sie auf die Kooperation mit anderen Fächern angewiesen sind. Sie erleben die Bedeutsamkeit und Relevanz ihres Faches und stärken so ihre Motivation für das gewählte Fach (siehe dazu: Koch, F. D., Dirsch-Weigand, A., Awolin, M., Pinkelman, R. J., Hampe, M. J. (2017). Motivating First Year University Students by Interdisciplinary Study Projects. In: European Journal of Engineering Education, 2016. URL).

Darüber hinaus bietet die Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden – vor allem in der International Interdisciplinary Project Week – förderliche Rahmenbedingungen, um bei den Studierenden frühzeitig Verständnis und Sensibilität für interkulturelle Heterogenität zu schaffen und gender-sensibles und diversity-gerechtes Verhalten zu üben. Hier unterstützen die qualifizierten Teambegleitungen besonders intensiv.

Mehr Informationen zu aktuellen Studienprojekten und Publikationen finden Sie auf der KI²VA-Website.

Unter Historie der Studienprojekte finden Sie Informationen zur Entwicklung der Studienprojekte seit ihren Anfängen.