History

Historie interdisziplinärer Studienprojekte an der TU Darmstadt

Die Anfänge des Projektstudiums an der TU Darmstadt

Schon in den 1970er Jahren forderten Arbeitgeber, Verbände und Gewerkschaften mehr Praxiserfahrung und Teamfähigkeit von Hochschulabsolventen. Bis heute stehen diese Anforderungen zusammen mit selbstständigem Arbeiten, Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit sowie interkultureller und interdisziplinärer Kompetenz bei der Einstellung oft im Vordergrund, während fachliches Wissen als selbstverständlich vorausgesetzt wird (DIHK (Hrsg.) 2015. Kompetenz und praxisnah. Erwartungen der Wirtschaft an Hochschulabsolventen. Ergebnisse einer DIHK Online-Unternehmensbefragung. Berlin,Brüssel: DIHK – Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V., Seite 3)

Die TU Darmstadt beantwortete diese Forderungen mit der Einführung von projektbasierten Lehrveranstaltungen wie Grundlagen des Planens, Entwerfens und Konstruierens (GPEK) in Studiengängen des Bauingenieurwesens, Praktische Entwicklungsmethodik (PEM) in Studiengängen der Elektrotechnik und Informationstechnik oder Software Engeneering in der Informatik in den 70ger Jahren. In den 90er und nuller Jahren führte sie zudem Projektwochen in der Studieneingangsphase ein, um rückläufigen Studierendenzahlen und hohen Studienabbruchsquoten zu begegnen. Hier sind die Lehrveranstaltungen Einführung in den Maschinenbau – emb in den Studiengängen des Maschinenbaus und das Einführungsprojekt etit für die Studiengänge der Elektrotechnik und Informationstechnik zu nennen.

2009 formulierte die TU Darmstadt in ihren Grundsätzen für Studium und Lehre „gelebte Interdisziplinarität“ als Profilmerkmal der Universität und empfahl „insbesondere interdisziplinäre Projektkurse mit offenen Aufgabenstellungen“ zu entwickeln ( Grundsätze für Studium und Lehre der Technischen Universität Darmstadt., 2009, Seite 5).

Aufbau interdisziplinärer und internationaler Studienprojekte in KI2VA

Folgerichtig wurde 2011 die flächendeckende Einführung von interdisziplinären Projekten in der Studieneingangsphase ein Schwerpunkt im Lehrinnovationsvorhaben KI2VA (Kompetenzentwicklung durch Interdisziplinäre und Internationale Vernetzung von Anfang an), das aus dem Bund-Länder-Programm Qualitätspakt Lehre bis 2020 gefördert wurde.

In einem ersten Schritt wurden ab 2012 zunächst die disziplinären Studienprojekte GPEK, etit und emb interdisziplinär erweitert, in einem zweiten Schritt wurden neue interdisziplinäre Studienprojekte unter Federführung der Architektur, der Biologie, der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und Informatik eingeführt.

Es folgten der Aufbau internationaler Studienprojekte, die mit INSPIRED 2020 auch Teil des Sommerprogramms der europäischen Universitätsallianz UNITE! (University Network for Innovation, Technology and Engineering) wurden. Im Abschlussjahr von KI2VA wurden interdisziplinären Studienprojekte erfolgreich in ein vollständig digitales Format überführt, da aufgrund der Coronapandemie nur digitale Lehrveranstaltungen an der TU Darmstadt stattfinden konnten.

Insgesamt fanden in KI2VA von 2012 bis 2020 55 Studienprojekte mit über 17.000 Studierenden und der Beteiligung von 18 Fachbereichen und Instituten statt. Das KIVA-Team der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle begleitete jedes KIVA-Projekt mit didaktischer Beratung, Kurztrainings für die Tutor_innen und dem Einsatz von studentischen Team- und Projekttutor_innen aus der HDA während Projektwochen.

Verstetigung interdisziplinärer Studienprojekte

Seit 2021 werden die interdisziplinären Studienprojekte an der TU Darmstadt auch nach dem Ende von KI2VA aus einem internen Fonds gefördert und von der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle didaktisch unterstützt.

Auszeichnungen und Preise

2010 erhielten Marion Eger, Dr. Robin Kröger und Sabine Ngondi von der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle den Athene-Sonderpreis für Interdisziplinäre Lehre. Prämiert wurde ihre Ausbildung von tutoriellen Lernbegleitern für die Projekte in der Studieneingangsphase.

2011 und 2016 warb die TU Darmstadt für die flächendeckende Einführung interdisziplinärer

Studieneingangsprojekte in KIVA die Förderung aus dem Bund- Länder-Programm Qualitätspakt Lehre ein.

2013 wurde Prof. Dr.-Ing. Manfred Hampe, wissenschaftlicher Leiter des Schwerpunkts Studienprojekte in KIVA, mit dem Ars legendi-Preis des Stifterverbandes und der deutschen Hochschulrektorenkonferenz für die Entwicklung des interdisziplinären Projektkurses für Studienanfänger im Maschinenbau ausgezeichnet.