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30 Jahre Hochschuldidaktik an der TU Darmstadt

Seit 30 Jahren innovative Kraft: die HDA an der TU Darmstadt

Erfolgsfaktoren hochschuldidaktischer Arbeit

Die Hochschuldidaktische Arbeitsstelle (HDA) an der TU Darmstadt feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Damit ist sie in der hochschuldidaktischen Landschaft der Bundesrepublik Deutschland eine der wenigen Einrichtungen, die seit vielen Jahren ununterbrochen existieren. Während viele hochschuldidaktische Zentren, die in den 70er Jahren in Deutschland gegründet wurden, nicht überdauerten, blieb die HDA eine feste Institution an der Technischen Universität Darmstadt. Lassen sich an der HDA einige Erfolgsfaktoren für die Etablierung und Kontinuität gezielter Qualitätsentwicklung der Lehre durch hochschuldidaktische Arbeit ablesen?
Alles begann ganz klein: „flächendeckenden Einführung von Orientierungswochen“ – dies war der Auftrag, den Dr. Michael Deneke bei seiner Einstellung erhielt. Als junger Chemiker frisch vom hochschuldidaktischen „Mutterschiff“, dem Hamburger IZHD, importiert, begann er 1977 die Arbeit. Schon einige Jahre darauf wurde die Übungsleiterschulung für Fachtutoren u.a. mit dem Fachbereich Mathematik etabliert. Gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeitern wurde in der HDA eine Tutorengruppe aufgebaut, die studienergänzend Lern- und Arbeitstechniken für Studierende anbot.

1983 dann wurde die hochschuldidaktische Arbeitsstelle offiziell mit einem Senatsbeschluss gegründet. Sie wurde als zentrale wissenschaftliche Einrichtung gegründet, die zunächst dem Beauftragten für Hochschuldidaktik, später dem Vizepräsidenten für Lehre zugeordnet war. Dies unterschied sie von anderen Zentren, wo die hochschuldidaktische Arbeit an einem Lehrstuhl und somit in einem Fachbereich angesiedelt war. Die Beratung und Mitarbeit in Hochschulgremien war von Anfang an ein zentrales Anliegen der HDA.
Das Arbeitsfeld erweiterte sich in den 80er Jahren: neben der Zielgruppe der Studierenden entwickelte sich die didaktische Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Beratung einzelner Hochschullehrer als ein wichtiges Standbein der Arbeit.

Als weiterer Schwerpunkt wurde in den 90er Jahren die Förderung des interdisziplinären Lernens ins Leben gerufen. In dieser Zeit initiierte die HDA auch „Werkstattgespräche“, die den Austausch von Studienreformern in der TU Darmstadt förderte. Hier standen die Förderung aktivierenden Lehrens und Studierens im Mittelpunkt.

Die HDA beteiligte sich folgerichtig an der Initiierung und Begleitung von Studienprojekten in den Ingenieurwissenschaften. Es wurde ein Unterstützungssystem für Studienprojekte entwickelt, in dem den Projektgruppen Fach- und Teambegleiter zur Seite stehen. Diese wiederum werden in der HDA ausgebildet – ein Erfolgsmodell, das bis heute weite Teile der Arbeit trägt.

In den 2000er Jahren ermöglichten akquirierte Drittmittel eine erneute Diversifizierung der Arbeitsfelder, aus der auch Begleitforschung und Evaluation von Studienreformprojekten entstand. Dabei wurde eine breite Erfahrung mit Evaluationsvorhaben gewonnen, so dass sich bis heute eine eigene AG Evaluation gebildet hat, die u. a. für die Lehrevaluationen und Absolventenbefragungen an der TU zuständig ist.

In dieser Phase wurden auch Projekte zur „Verbesserung des Studienerfolges internationaler Studierender“ und zum „computergestützten Lernen“, Schreibgruppen und studentische Mentorenprogramme entwickelt.

Die Bereitschaft, immer wieder neue Ideen zu entwickeln und nahe an den Bedarfen der Universität zu arbeiten, ist die spezielle Stärke der HDA. Während die Hochschuldidaktik sich in den frühen Jahren quasi selbst erfinden konnte und musste, ist mittlerweise ein deutlich höherer Grad an Professionalisierung erreicht.

Heute liegen die Schwerpunkte der Arbeit in drei Arbeitsbereichen:

1. studentische Schlüsselkompetenzförderung, Tutoren- und Mentorenarbeit, studentische Trainerausbildung;
Gestaltung interdisziplinärer Projektwochen (gefördert durch den Qualitätspakt Lehre)

2. Hochschuldidaktischer Weiterbildung und Beratung Lehrender,

3. Evaluation und Absolventenbefragung

Die Zusammenarbeit über diese Arbeitsbereiche hinweg wird von den mittlerweile über zwanzig Mitarbeiter/innen als sehr befruchtend erlebt.

Der Servicegedanke für die Fachbereiche steht bei der Arbeit im Vordergrund.

Was hat also zusammenfassend zum Bestehen der Hochschuldidaktische Arbeitsstelle über den Zeitraum von 30 Jahren an der TU Darmstadt geführt? Wir sehen folgende Erfolgsfaktoren:

  • die Arbeit als zentrale Einrichtung, statt einer Konstruktion, in der ein Fachbereich andere Fachbereiche berät
  • die intensive Vernetzung und Zusammenarbeit mit allen Akteuren der Hochschule mit der HDA,
  • das hochschulpolitische Engagement, durch das die HDA oft aktuelle Themen frühzeitig und proaktiv aufgreifen konnte,
  • Mitarbeiter/innen, die eine gute Balance zwischen Forderungen nach Verbesserungen der Lehre einerseits und Flexibilität, Kooperations- und Kompromissbereitschaft in Gremien und Fachbereichen andererseits halten konnten.

Derzeit befindet sich die Hochschuldidaktik in Deutschland in einer Hochphase und ist fester Bestandteil moderner Hochschulen mit eigener Profilbildung in der Lehre. Vielleicht wird es auch wieder weniger günstige Phasen in diesem Arbeitsfeld geben. Wir wünschen uns, dass sich die Hochschuldidaktik weiterhin neue Themenfelder erschließen wird und dabei Bewährtes erhalten kann. Wir sind zuversichtlich!

Dipl.-Psych. Marion Eger
Dipl.-Soz. Annette Glathe

Literatur
M. Eger, B. Gondani, R. Kröger (Hrg.) (2011) Verantwortungsvolle Hochschuldidaktik.
Gesellschaftliche Herausforderungen, Nachhaltigkeitsanspruch und universitärer Alltag.
Lit.-Verlag: Berlin